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Fun und
Groove bestimmen das Leben des abgefahrenen eitlen und arroganten
Herrschers Kusco im Mega-Palast in mitten des geheimnisvollen
Bergkönigreichs. Bis sein schönes Yuppiedasein eine plötzliche
Wendung nimmt: Aus Herrschsucht und Machthunger verwandelt Isma,
seine durchgeknallte Beraterin, ihn ausgerechnet in ein schnödes
Nutztier: Kusco wird zum Lama!
Aus dem Palast verschleppt trifft Lama Kusco auf den herzensguten
Bauern Patscha. Er bietet Lama Kusco die einzige Möglichkeit zurück
in seine Luxushütte zu finden. Das ungleiche Paar begibt sich auf
einen unglaublichen Trip voller Action und Spaß: unüberwindbare
Wasserfälle, Pumaherden, Isma auf Verfolgungsjagd und vor allem
aber ihre völlig unterschiedlichen Lebenseinstellungen machen die
Reise für beide unvergesslich. Kuscos Sicht der Welt – bisher
voller Luxus und Rücksichtslosigkeit - wird kräftig
durcheinander gewirbelt.
Doch trotz aller scheinbarer Einsicht: Lama Kusco will den
Wettlauf gewinnen: Wird es auf den Thron zurückzukehren, bevor es
Isma gelingt, ihn aufzuspüren und endgültig aus dem Weg zu räumen?
Wird es Patscha übers Ohr hauen oder hat es endlich gelernt, was
wahre Freundschaft bedeutet.....?

Das erste Wort hat der
Chef: "Die Wurzeln von EIN KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA
liegen im Reich der klassischen Märchen”, erläutert Thomas
Schumacher, seines Zeichens Präsident von Walt Disney Feature
Animation. "Unsere Hauptfigur wechselt von einer Lebensform
in eine andere, und das erlaubt ihr, das Leben aus einer anderen
Perspektive zu sehen. Im Grunde ist es die Geschichte von
jemandem, der ein Stück seines Weges in den Schuhen eines anderen
wandern darf. In unserem Falle ist es ein verzogener junger
Kaiser, der noch nie in seinem Leben auf die Idee kam, seinen
Horizont zu erweitern, geschweige denn an jemand anderen außer
sich selbst zu denken. Er wird in ein Lama verwandelt und muss nun
in einer Welt überleben, die ihm ziemlich fremd ist. Er muss sich
nicht nur unters gemeine Volk mischen, sondern dies auch noch auf
vier Beinen tun. Um seine Bekehrung glaubwürdig zu machen, haben
wir ihn anfangs als einen wenig liebenswerten Spinner dargestellt
– man gönnt ihm seine wohlverdiente Strafe. Mark Dindal, unser
Regisseur, hat mit seiner Inszenierung Fantastisches geleistet,
und jeder Mitarbeiter des Teams hat etwas ganz Eigenes in den Film
eingebracht. Comedy zu machen ist verdammt schwer, aber jedesmal,
wenn ich EIN KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA sehe, lache ich mich
kaputt.”
Ein Königreich für eine Idee – die Anfänge
Der Entwicklungsprozess eines Disney-Zeichentrickfilms ist lang.
Sehr lang. Er zieht sich über Jahre hin und ist geprägt von
Fehlstarts und Sackgassen. ALADDIN ("Aladdin”, 1992), THE
LION KING ("Der König der Löwen”, 1994) und TARZAN
("Tarzan”, 1999) sind nur drei Beispiele dafür, wie die
fertigen Filme sich völlig von den ursprünglichen Konzepten
unterscheiden. Wie bei jedem filmischen Projekt ist die perfekte
Kombination von Charakteren und Story ein heikler Balanceakt, der
viel Hingabe, Hartnäckigkeit und Kreativität erfordert.
Die Anfänge von EIN KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA gehen in das Jahr
1994 zurück, als das kreative Team des Films eine völlig andere
Version der Geschichte entwickelte. Der erste Ansatz
des Projekts, das damals noch den Titel KINGDOM OF THE SUN trug,
war, eine dramatische Geschichte zu erzählen, die auf
präkolumbischen Legenden beruhte und von einem ehrgeizigen
Song-Repertoire aus der Feder von Sting unterstützt werden
sollte. Aber wie so oft schlug die Story auf dem langen Weg ihrer
Entwicklung einige unerwartete Haken. Schließlich entschloss man
sich, den Film in eine völlig neue Richtung zu lenken und schrieb
1998 die Geschichte um. Nur zwei der komödiantischen Hauptfiguren
und eine Hand voll Elemente aus dem Original-Treatment wurden
beibehalten. Mark Dindal und Randy Fullmer standen der Kreation
eines neuen Konzeptes, der dazugehörigen Storyboards und
schließlich des Drehbuchs vor.
"EIN KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA ist ein prima Beispiel dafür,
mit welchem Engagement und welcher Sorgfalt wir unsere Projekte
entwickeln”, sagt Thomas Schumacher. "Während der
Entwicklung und des kreativen Prozesses tasten wir alle Richtungen
ab, um genau die Geschichte und die Figuren zu finden, die uns
gefallen – und von denen wir hoffen, dass sie auch den
Zuschauern gefallen. Obwohl uns dieser Film vor viele
Herausforderungen gestellt hat und wir auf dem Weg etliche
Umleitungen in Kauf nehmen mussten, haben Mark, Randy und das
ganze Animationsteam eine wundervolle Arbeit gemacht, in dem sie
eine frische, originelle Komödie voller Überraschungen und mit
einem ganz eigenen Stil geschaffen haben. EIN KÖNIGREICH FÜR EIN
LAMA ist einer der unterhaltsamsten und bezauberndsten Filme, die
wir je hergestellt haben, und wir sind sehr stolz auf das, was wir
geleistet haben.”
Die wohl größte Herausforderung bei der Entwicklung von EIN
KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA bestand darin, aus einem musikalischen
Drama eine rasante Komödie zu machen. "In den ersten beiden
Jahren war EIN KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA eher eine Art ernsthaftes
Epos”, erinnert sich der Produzent Randy Fullmer.
"Irgendwann waren wir an dem Punkt angelangt, an dem uns das
Projekt keinen Spaß mehr machte – und das ist das Zeichen, dass
man einen neuen Weg einschlagen sollte.” "Wir haben
verzweifelt nach einer Möglichkeit gesucht, der Geschichte einen
neuen, frischen Drive zu geben”, ergänzt Dindal. "Und dann
kam Chris Williams aus unserem Story-Team mit einer abgedrehteren,
verrückteren Version der Geschichte auf uns zu, die ebenfalls
äußerst charmant war. Er hatte die Idee, aus Patcha einen
älteren Mann zu machen – im Gegensatz zu dem Teenager, der er
in der ursprünglichen Fassung war. Das gab der Geschichte einen
völlig neuen Dreh, und wir sahen sie auf einmal in einem ganz
anderen Licht. Peter Schneider, der Vorsitzende der Walt Disney
Studios, ermunterte uns, bei unserer Arbeit über den Tellerrand
zu schauen. Er wollte, dass wir unsere Geschichte noch mal völlig
auf den Kopf stellen und anders an sie herangehen. Also haben wir
mit Randy und unserem Autoren David Reynolds alles noch mal
umgeworfen. Und komischerweise hat uns dieser Schritt neue
Energie, neuen Enthusiasmus und Spaß gebracht. Kusco ist nun
nicht mehr die typische Disney-Hauptfigur – er ist kein netter,
sympathischer, verletzlicher Kerl, der ein bestimmtes Verlangen
hat, aber von den Umständen daran gehindert wird, an sein Ziel zu
gelangen. Nein, Kusco ist eher das genaue Gegenteil. Er ist in
einer heftigen Zwickmühle und braucht einen guten Menschen, der
ihm da nun heraushift.”
"Ich meine: Je absurder die Figuren in bestimmten Situationen
gezeichnet sind, desto mehr Spaß kann man mit ihnen haben”,
erläutert der Regisseur Mark Dindal. "Was uns an diesem Film
sehr gereizt hat, war die Mischung aus Absurdität und Emotionen.
Wenn man diese Gratwanderung schafft, bekommt man das Beste aus
diesen beiden Welten, denn die Geschichte wird nicht zu
sentimental. In EIN KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA haben wir ein
wirklich seltsames Paar – einen jungen Kerl, der immer nur an
sich selbst denkt, und einen einfachen Bauern, der sich stets um
andere sorgt. Der Humor des Films entspringt aus ihren
verschiedenen Charakteren.”
Nachdem die Richtung feststand, in die sich die Geschichte von EIN
KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA entwickeln sollte, wurden die
Hauptfiguren noch einmal stark überarbeitet und andere
hinzugefügt. Eine der neuen Figuren war Ismas Kumpan Kronk –
der heimliche Star des Films.
David Reynolds, einer der ersten Gagschreiber des populären
amerikanischen Late-Night-Talkers Conan O’Brien, der schon
etliche Disney-Filme mit Witz und spritzigen Dialogen
veredelt hatte, erinnert sich: "Eines Tages gaben mir Mark
und Chris eine Szene zu lesen, in der eine Figur vorkam, die
unserem Kronk schon sehr ähnlich war. Ich las also den Witz, den
sie sich ausgedacht hatten, und ich lachte mich schlapp. Ich
sagte: 'Ich kenne diesen Typen. Er ist wie Puddy aus der Sitcom
‘Seinfeld’. Er redet die ganze Zeit, aber er bekommt nichts
auf die Reihe!' Ich habe sie gefragt, ob ich eine Szene für diese
Figur schreiben könne – es war die Gift-Szene während der
Dinner-Sequenz. Dabei habe ich ständig in mich hineingekichert.
Kronk machte sich fürchterlich viele Gedanken um dieses
Abendessen und verlor dabei völlig den Zweck aus den Augen, den
er und Isma mit diesem Dinner verfolgten – nämlich Kusco zu
töten. Die Szene funktionierte blendend, und da ging uns auf, wie
komisch Kronk sein könnte.”
Auch an der Hauptfigur wurde noch lange gefeilt. "Eine
unserer großen Herausforderungen war es, das Publikum dazu zu
bringen, mit Kusco mitzufühlen”, erläutert Reynolds. "Er
ist zwar sehr arrogant, aber dann wird er von allen herumgestoßen
und man bemerkt, dass dieser Typ noch nie einen echten Freund
hatte. Das gibt ihm eine gewisse Verletzlichkeit.”
Nachdem die Story überarbeitet und die Storyboards auf den Weg
gebracht waren, ging das kreative Team mit neuem Elan und
Enthusiasmus an die Arbeit. "Als wir den neuen Zugang zu
unserer Geschichte gefunden hatten, ging sie ab wie eine Rakete”,
grinst Fullmer. "Ich vergleiche das Team gern mit Rennpferden
am Start: Ruhig, abwartend, aber schon mit den Hufen scharrend.
Von Anfang an wollten alle das erreichen, was Mark im Kopf hatte,
und alle hatten ein ähnliches Feingefühl, die Richtung des Films
betreffend. Jeder wusste genau, innerhalb welcher Parameter er
arbeiten sollte, und jeder meisterte seine Aufgaben hervorragend
– unter dem künstlerischen Aspekt wurden immer die besten
Entscheidungen getroffen.”
"Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen sehr froh
sind, wenn sie eine klare Vorstellung vermittelt bekommen, wohin
man mit einem Projekt will. Dabei sollte man ihnen aber nicht
genau vorschreiben, wie sie dorthin kommen”, beschreibt Mark
Dindal seinen Regie-Stil. "Die Zeichner und die anderen
Abteilungen sollen natürlich meine Visionen umsetzen, aber sie
sind dabei mehr als nur mein verlängerter Arm. Wir hatten ein
tolles Team bei der Produktion von EIN KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA,
und es machte mir viel Spaß, zuzusehen, was meine Mitarbeiter
taten, um die Geschichte mit Leben zu füllen. Die
Storyboard-Zeichner haben ihre Ideen in ihre Skizzen eingebracht,
und die Zeichner haben diese Skizzen ausgiebig genutzt. Aber als
sie die Lücken zwischen den skizzierten Posen ausgefüllt und an
ihrer Magie gearbeitet haben, kamen subtilere Ausdrucksweisen
hinzu, die unsere Storyboards wesentlich verfeinert haben. Ich
sehe meine Rolle als die eines Dirigenten, der nicht
notwendigerweise alle Instrumente beherrschen muss. Aber er muss
wissen, wie sie klingen sollen. In unserem Fall wusste ich, dass
unsere Künstler alle exzellente Jobs machen. Ich musste ihnen nur
die Richtung zeigen und dann aus dem Weg gehen.”
"Mark hat einen wunderbaren Sinn für Humor und eine
natürliche Begabung, mit Menschen umzugehen”, gibt Fullmer
weiter zu Protokoll. "Er weiß, wie man delegiert und wie man
ein Team motiviert, er schätzt seine Mitarbeiter und schenkt
ihnen sein vollstes Vertrauen. Und darüber hinaus ist er mit
enormem Talent gesegnet. Bei den Sprachaufnahmen hat er niemanden
gebraucht, der mit den Synchronsprechern den Text gelesen hat. Er
hat es einfach selbst gemacht, denn er hatte den kompletten Text
sowieso im Kopf – ebenso wie das Timing und die Gangart. Er saß
mit Kopfhörer im Studio und kommunizierte mit den Sprechern.
Und es hat wunderbar funktioniert.”
Kusco & Co. – die Animation der Figuren
Breite Charakterisierungen, unglaubliche Slapstick-Situationen –
EIN KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA ist einer jener Filme, an dem
Zeichner liebend gern arbeiten. Die Geschichte gab ihnen reichlich
Spielraum, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und Dinge zu
schaffen, die nur im Reich der Animation möglich sind. Dindal und
Fullmer haben bei der Auswahl der Leitenden Zeichner viel Sorgfalt
walten lassen – und ihnen danach größtmöglichen Freiraum
gegeben.
Die Animation von EIN KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA begann im
Frühjahr 1999, und die Arbeit an diesem außergewöhnlichen Film
wurde überraschend schnell und äußerst befriedigend für alle
Beteiligten beendet. Rund 400 Künstler und weitere 300 Techniker
und Produktionsmitarbeiter waren an EIN KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA
beteiligt. Rund zehn Minuten des Films entstanden in den Pariser
Studios von Disney’s Feature Animation. Die Studios in Florida
dagegen waren für das Clean-up und die Effekte zuständig.
"Wir haben schon in der Anfangsphase gemerkt, dass der
Unterhaltungswert von EIN KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA aus den
Persönlichkeiten der Figuren heraus entspringt”, erklärt
Dindal. "Mit weniger Figuren kann man sich stärker auf die
Story konzentrieren und die Charaktere gleichzeitig
detailschärfer entwickeln. Wir fanden es schlüssiger, unsere
Figuren hervorzuheben und nicht überwältigende Spezialeffecte
oder filmische Techniken in den Vordergrund zu stellen.”
Da sich der größte Teil der Geschichte um lediglich vier
Hauptfiguren dreht, engagierten die Filmemacher ein Quartett von
Disneys besten Leitenden Zeichnern, die dem Film Magie und den
Charakteren Leben einhauchen sollten: Nik Ranieri, der Animator,
der schon Lumière aus BEAUTY AND THE BEAST ("Die Schöne und
das Biest”, 1991), Meeko in POCAHONTAS ("Pocahontas”,
1995) und Hades in HERCULES ("Hercules”, 1997) zum Leben
erweckt hatte, war für den Kaiser Kusco in seiner Form als Mensch
und als Lama verantwortlich. Bruce Smith, ein talentierter
Zeichner und Regisseur, der zuletzt den Gorilla Kerchak in TARZAN
entwickelt hatte, überwachte die Arbeit an dem braven Bauern
Patcha. Tony Bancroft, Koregisseur des Welterfolges MULAN ("Mulan”,
1998) und Leitender Zeichner von Pumbaa aus THE LION KING
("Der König der Löwen”, 1994), war für die ausgelassenen
Mätzchen von Kronk verantwortlich. Und Dale Baer, ein erfahrener
Animator, der schon bei der Produktion von WHO FRAMED ROGER RABBIT?
("Falsches Spiel mit Roger Rabbit”, 1988) unschätzbar
wertvolle Arbeit geleistet hatte, hob Kuscos böse Gegenspielerin
Isma aus der Taufe.
Joe Moshiers frühe Charakterstudien der Hauptfigur dienten dem
Zeichner Nik Ranieri als Inspiration für seine Arbeit: Er war
für die Animation von Kusco in seiner menschlichen Gestalt ebenso
verantwortlich wie für das kaiserliche Lama. Ranieri und die
zwölf Zeichner in seinem Team studierten die Tiere im Zoo,
besuchten eine Lama-Farm, sahen etliche Dokumentationen und
schafften sogar einige Male ein paar der Tiere zu Studienzwecken
ins Studio. Das Cartoon-Lama des Films reflektiert freilich nicht
unbedingt ein echtes Lama, aber es weist doch zahlreiche Elemente
seiner authentischen Anatomie auf.
"Lamas haben lange Hälse, und das macht es ihnen fast
unmöglich, sich menschenähnlich zu bewegen und zu verhalten”,
erklärt Ranieri. "Zum Beispiel können wir unsere Figur
nicht einfach die Schultern zucken lassen oder etwas Ähnliches.
Wir haben lange gerungen, um unserem Lama genügend
Ausdrucksmöglichkeiten zu geben, aber wir haben stets innovative
Wege innerhalb der gesetzten Grenzen gefunden. Wir haben seinen
Pelz wie den eines Afghanen oder eines ähnlich zotteligen Hundes
gezeichnet. Wenn man zwischen den Animationen eines Menschen und
eines Lamas hin- und herspringt, steht man darüber hinaus auch
noch vor anderen Herausforderungen. Bis auf die Tatsache, dass
beide ziemlich dürr sind und die gleichen Augen haben, sind die
beiden Figuren nämlich sehr unterschiedlich.”
"Als Zeichner liebe ich es, physische Comedy und andere
komische Dinge zu machen”, fährt er fort. "Kusco war für
mich eine sehr dankbare Figur, denn sie bot viele Facetten,
einerseits mit verrücktem Humor zu spielen, andererseits aber
auch pathetische Momente zu zeichnen.”
Der Leitende Zeichner Bruce Smith war dafür zuständig, Patcha
zum Leben zu erwecken. "Patcha ist sicherlich die
menschlichste unserer Figuren”, erklärt er. "Er hat im
Gegensatz zu unserem Lama, mit dem er herumhängt, sehr viel
menschlichere Manieren und realistische Eigenschaften. Er ist ein
sehr bodenständiger Typ, der die Dinge immer wieder ins rechte
Licht rückt. Weil er fast zwei Meter groß und 125 Kilo schwer
ist, mussten wir hart daran arbeiten, ihn mit einem Gefühl für
Gewicht und mit Glaubwürdigkeit in seinen Bewegungen
auszustatten. Sogar wenn eine Situation eskaliert und sich die
Figuren balgen, bewegt er sich eher wie ein Ersatzspieler als eine
Cartoon-Figur von Tex Avery.”
"Es macht sehr viel Spaß, einen Menschen mit den Mitteln der
Karikatur zu zeichnen”, ergänzt Smith. "Wir haben ein
bisschen im Archiv gewühlt und uns angesehen, wie Milt Kahl
seinen Roger in 101 DALMATIANS ("101 Dalmatiner”, 1961) und
seine Madame Medusa in THE RESCUERS ("Bernard und Bianca –
Die Mäusepolizei”, 1977) gezeichnet hat. Die bewegen sich genau
wie Menschen, aber sie haben etwas, durch das man sie eindeutig
ins Reich der Animation einordnen kann. Genau danach habe ich
gesucht, als ich Patcha animiert habe.”
Dale Baer, ein Zeichentrick-Veteran, der seine Karriere bei Disney
vor fast 30 Jahren begann und später zwölf Jahre lang sein
eigenes Animationsstudio leitete, hatte die beneidenswerte
Aufgabe, die Animation von Isma zu überwachen.
"Isma war die Figur, die mir in meiner ganzen Karriere am
meisten Spaß gemacht hat”, grinst Baer. "Ich habe alles
Mögliche mit ihr angestellt und bin damit auch noch
durchgekommen. Sie hat einen unglaublich langen Hals,
fürchterlich knochige Hüften und Schultern und extrem lange
Arme. Man kann sie bis zum Extrem karikieren, und ihre menschliche
Gestalt kommt dennoch zum Vorschein. Das hat mir so viel Freude
bereitet, dass es mir nicht wirklich wie Arbeit vorkam, sie zu
zeichnen.”
"Eines der komischsten Dinge an Isma ist, dass sie immer
feminin und elegant wirken will, es aber nie schafft”, erklärt
Baer weiter. "Das gibt ihr komische Ecken und Kanten, die
sehr spaßig und überraschend sind. Ihre Kostüme – flott
gefiederte Kragen und pompöse Hüte – waren ebenfalls lustig zu
animieren, und außerdem haben wir dadurch einen Crashkurs in
Modedesign absolviert. Für mich war Isma eine Herausforderung,
weil ich eher zurückhaltend an meine Figuren gehe. Ich mag klare
Animationen, aber Marks Regie hat mich dazu gebracht Dinge zu tun,
die ich nie vorher in Erwägung gezogen hatte.”
Baers Kollege Tony Bancroft hatte bereits ein Warzenschwein, eine
Uhr, eine Echse mit Halskrause und einen schwatzhaften Drachen
gezeichnet. Mit EIN KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA betrat er Neuland:
Er leitete erstmals ein Team, das eine menschliche Figur animieren
sollte – Kronk.
"Der Film war mein erster Job, nachdem ich bei MULAN Regie
geführt hatte, und ich fand es traumhaft, dass ich mich wieder an
den Zeichentisch setzen konnte – und dann auch noch mit einer
Figur, die so facettenreich und komisch ist”, erinnert sich
Bancroft. "Ich war vorher noch nie für einen Menschen
verantwortlich, und ich war anfangs tatsächlich ein bisschen
nervös. Er hat eine so komplizierte Anatomie und so viele
Muskeln, dass ich erst mal eine Menge Recherchen anstellen und
Denkarbeit leisten musste. Glücklicherweise verlangt der Stil des
Films nach einer starken Simplifizierung und karikaturhaften
Zeichnungen. Kronk hat weit ausladende Schultern und eine breite
Brust, und ich musste viel üben, um ihn überzeugend
darzustellen.”
"Nach einer Weile kann man nicht anders als diesen Typen zu
mögen”, fährt Bancroft fort. "Anfangs zählt er zu den
Bösen, aber am Ende wendet er sich den Guten zu. Er bewegt sich
in einer steifen, abgehackten Weise, fast roboterhaft, wie ein
Gewichtheber. Seine Arme sind etwas steif, und sie sind nicht
sonderlich beweglich. Diese Steifheit in die Animationen zu
übertragen war sehr wichtig. Eine ganz andere Herausforderung war
es, Kronks Kopf zum Drehen zu bringen. Er hat ein sehr flaches,
kantiges Gesicht mit einer langen Nase. Wir haben ihn auf ganz
simple geometrische Formen reduziert, und das hat uns geholfen,
ihn und seine Bewegungen überzeugend darzustellen.”
"Die Farben der Inkas” – Art Direction,
Hintergründe, Layout und Character Design
Stilistisch suchten die Macher von EIN KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA
nach einem einfachen, aber raffinierten Zugang, der den
respektlos-komödiantischen Ton der Geschichte
wiedergeben sollte. Um die Atmosphäre des südamerikanisch
inspirierten Settings einzufangen, reiste das kreative Team des
Films im Jahr 1996 nach Peru, um die künstlerischen und
kulturellen Vermächtnisse der Inkas zu studieren. Während ihrer
zehntägigen Reise besuchten sie z. B. die Bergstadt Machu Picchu
und die historische Stadt Cuzco. Sie unternahmen eine Flussfahrt
einen reißenden Strom hinunter und studierten die Felder, die
extrem steilen Berge und riesigen Felsen aus der Vogelperspektive
eines Militärhubschraubers.
Um den Look des Films so einzigartig gestalten zu können,
arbeiteten der Artdirector Colin Stimpson und sein Kollege Tom
Cardone eng mit dem Produzenten, dem Regisseur und den anderen
Köpfen des kreativen Teams zusammen. Auch Paul Felix brachte in
den frühen Stadien der Produktion seine Ideen ins
Produktionsdesign ein. Inspiriert vom markanten, farbenprächtigen
Stil der Inkas, begannen die Artdirektoren, verschiedene Formen,
Motive und Designs zu ihren Konzeptzeichnungen zusammenzufügen.
Statuen, Gemälde und Schmuck boten eine Fülle von skizzenhaft,
nahezu karikaturartig gezeichneten Tieren und Bildern, die ihnen
als Vorlage dienten.
"Unser Auftrag war es, den Look des Films unbeschwert zu
gestalten, mit einem vorrangigen Sinn für Humor und
übertriebenen Karikaturen”, so Stimpson. "Alles –
Figuren und Hintergründe – sollte mit einer klaren
Individualität ausgestattet sein. Wir haben versucht,
fantasievoll zu sein und dem Publikum etwas zu zeigen, das es so
vorher noch nicht gesehen hat. Wir wollten die Zuschauer mit dem
Look überraschen, und darum haben wir es genossen, uns bei
unserer Arbeit auf die Kunst der Inkas zu beziehen. All diese
Formen und Kompositionen waren wundervoll, und wir haben in den
Gemälden immer wieder seltsame kleine Tiere entdeckt, die wir auf
spaßige Weise in den Film einbauen wollten. Die Außenansicht von
Kuscos Palast zum Beispiel ist von einer kleinen goldenen Statue
inspiriert, die Brücke, von der Kronk die Tasche wirft, wurde
nach dem Bild eines Hundes karikiert und die Fisch-Wandteppiche in
Ismas Esszimmer basieren auf echten Wandteppichen der Inkas.”
"Wir waren immer wieder überrascht, wie komplex und
atemberaubend die Darstellungen der Inkas waren”, erinnert sich
Stimpson weiter. "Teppiche und Schmuck sind gespickt mit den
Bildern mystischer Kreaturen und der künstlerische Stil ist
geprägt von sehr starken Farben und einem hoch entwickelten Sinn
für Design. Wir haben im Grunde diese Dinge karikiert und
vereinfacht, um darzustellen, was daran komisch sein könnte. Auch
das Erlebnis südamerikanischer Landschaft hinterließ bei uns
einen gewaltigen Eindruck. Sie wirkt wegen der steilen Berge und
der parzellierten Felder manchmal wie eine Karikatur ihrer selbst.
Es sieht aus, als hätten wir eine Patchwork-Decke genommen und
sie in unser Design für das Dorf eingebracht.”
Eine weitere unschätzbare Inspiration lieferte der einfache
Zeichenstil einiger Disney-Klassiker aus den 1950er Jahren –
besonders von PETER PAN ("Peter Pan”, 1953) und THE LADY
AND THE TRAMP ("Susi und Strolch”, 1955).
"Uns ist aufgefallen, dass diese Filme wie ein Bühnenstück
anmuten”, erklärt Fullmer. "In jeder Szene ist ganz klar,
wo sich das Auge des Betrachters befinden soll. Also gingen wir
zurück zu dieser einfachen Art der Komposition. Wenn man die
Layout- und Hintergrund-Zeichnungen von EIN KÖNIGREICH FÜR EIN
LAMA ansieht, bekommt man fast den Eindruck, sie seien unfertig
– bis die Figuren hinzugefügt werden. Wir wollten das Auge des
Zuschauers führen, indem wir sehr simple, aber scharf
hervortretende Umrisse, theatralische räumliche Trennungen und
eine spezielle Beleuchtung einsetzten. So werden die Figuren
hervorgehoben und die Stimmung der einzelnen Szenen verstärkt.”
Der Artdirektor Tom Cardone bemerkt: "Was die Farbpalette des
Films betrifft, haben wir darauf Wert gelegt, dass die Figuren
entweder sehr hell oder sehr finster gezeichnet sind, damit man
sie sofort einordnen kann. In manchen Szenen haben wir die Farbe
zurückgenommen und sie fast wie Schwarz-Weiß-Szenen gestaltet,
damit die Figuren besser zum Vorschein kommen. PETER PAN hatte
einen ähnlichen visuellen Stil, und dabei war immer klar, wo die
Augen des Zuschauers hinzusehen hatten. Sogar die Hintergründe
waren einfach und direkt. Wir haben die Bereiche, auf die man
nicht achten muss, nicht mal scharf gezeichnet. Wenn man das
richtige Maß von Details und Highlights einsetzt, kann man eine
kraftvolle, wunderschöne Zeichnung schaffen, die genauso effektiv
ist wie eine komplett scharf gezeichnete.”
"Als wir auf einem Berggipfel in Peru standen und uns die
Wolken zu Füßen lagen, fühlten wir uns alle sehr klein, und es
wurde uns bewusst, dass wir nicht die einzigen Wesen auf diesem
Planeten sind – dass wir ihn noch nicht mal unter Kontrolle
haben”, fährt Cardone fort. "Die Inkas hatten ein
einzigartiges, bewundernswertes Gespür für Gestaltung, ablesbar
in ihrer Architektur und ihren Stoffmustern. Wir wollten unserem
Film viel Charme geben, und die Inkas haben uns durch ihren Stil
und ihre Muster die Vorlagen dafür geliefert. Und als wir andere
Disney-Filme ansahen, die auch in Südamerika angesiedelt sind –
SALUDOS AMIGOS (1943) und THE THREE CABALLEROS ("Die drei
Caballeros”, 1945) –, kamen uns noch weitere Ideen für
unseren Film.”
In ihrer Eigenschaft als Künstlerische Leiterin der
Hintergrund-Abteilung stand Natalie Franscioni-Karp 18 Künstlern
vor und arbeitete ebenfalls eng mit den Artdirektoren zusammen, um
den Design-Stil von EIN KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA zu entwickeln
und festzulegen. Anstelle detaillierter Gemälde benutzte sie
einfach und flach gestaltete Farbflächen, um den Schauplatz der
Handlung hervorzuheben. Die Farbpalette war wiederum direkt von
den Artefakten und Teppichen der Inkas inspiriert.
"Dieser Film stellte die Hintergrund-Zeichner vor eine große
Herausforderung, weil wir alle daran gewöhnt waren, die
Hintergründe sehr scharf und detailgenau zu zeichnen, um den Look
dreidimensional und glaubwürdig zu gestalten”, erklärt
Franscioni-Karp. "Hier standen wir vor der Aufgabe, die Dinge
immer und immer wieder zu vereinfachen. Manchmal musste ein
Künstler seine Zeichnungen zwei- oder dreimal überarbeiten, um
zu einem einfacheren Stil zu gelangen. Anstatt immer mehr Details
hinzuzufügen, haben wir uns in die entgegengesetzte Richtung
bewegt. Es war ein ganz anderes Arbeiten als wir es normalerweise
gewohnt sind. Unsere Herausforderung war es, die Hintergründe
dreidimensional und glaubwürdig wirken zu lassen, obwohl sie
nicht völlig scharf gezeichnet waren. Die Künstler liebten diese
Aufgabe und hatten viel Spaß daran, nachdem sie sich erstmal
daran gewöhnt hatten.”
"Jede Zeichnung hat ihre ganz eigene Geschichte”, fährt
sie fort. "Man beginnt mit einer leeren Leinwand und einem
bisschen Angst, weil man eine Skizze hat und sie in ein Gemälde
verwandeln muss. Man startet mit einem Gefühl der Unsicherheit
und kommt dann irgendwann an den Punkt, an dem man damit fertig
wird. Man hat den Gipfel erreicht und denkt: 'Von jetzt an geht es
nur noch bergab.' Diesen Gipfel erreichen wir normalerweise, indem
wir unsere Details scharf hervorheben. Es ist immer eine große
Hilfe, wenn man vorher genau weiß, wie ein Gemälde auszusehen
hat. Durch den vereinfachten Stil von EIN KÖNIGREICH FÜR EIN
LAMA mussten wir präziser und langfristiger planen, um
festzulegen, wohin wir mit unserer Arbeit wollten. Das war ein
völlig anderer Prozess als normalerweise, und wir mussten uns
einen anderen Zugang zu unserer Arbeit suchen.”
Auch ihr Kollege Jean-Christophe Poulain, der Künstlerische
Leiter des Layouts, stand vor neuen Herausforderungen. Sein
20-köpfiges Team (darunter einige Mitarbeiter in Paris)
entwickelte visuelle Ideen, um den emotionalen und
komödiantischen Inhalten des Films gerecht zu werden und sie
gleichermaßen zu karikieren. Beleuchtung, Kameraeinstellungen und
Kompositionen wurden zu wichtigen Bausteinen für das Erzählen
der Story. Besonders eine Szene, die Achterbahnfahrt zu Ismas
geheimem Labor, erforderte schwierige Kamerafahrten und
kinematografische Feinarbeit.
Ein weiteres wichtiges Element bei der Definition des Looks von
EIN KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA war das Character Design. Diese
ehrgeizige und beneidenswerte Aufgabe fiel dem talentierten,
stilistisch eigenwilligen
jungen Künstler Joe Moshier zu. Er spielte darüber hinaus auch
eine Schlüsselrolle beim Design der Kostüme – besonders dem
von Ismas eigenwilliger Garderobe. Durch klar umrissene Linien und
kühne Kurven, klare Formen und Silhouetten und das Zusammenspiel
von organischen und geometrischen Formen schuf Moshier eine Gruppe
von Charakteren, die gleichermaßen karikiert und anziehend
wirken."Wir wollten das Gleiche erreichen wie die Inkas und
präkolumbischen Stämme mit ihrer Kunst”, erläutert Moshier.
"Sie haben stets die schmeichlerischsten Blickwinkel benutzt,
meistens Profile, und haben ihnen grafisch Ausdruck gegeben. Man
kann diesen Stil auf Gefäßzeichnungen, Teppichen und Skulpturen
beobachten. Ich habe mich an diesen Stil angelehnt und den Figuren
flache Umrisse gegeben, die in einem dreidimensionalen Raum
dennoch funktionieren. Sie sind eher wie die steifen Figuren in
SLEEPING BEAUTY ("Dornröschen”, 1959) als die griffigeren
Figuren in anderen Disney-Filmen.”
Mosheri gibt zu, dass es ihm am meisten Spaß machte, Isma zu
gestalten. "Isma ist sehr knochig und hat große, ovale
Augen. Ihre Anatomie ist einfach unglaublich. Wir haben ihre
Hüften hervortreten lassen und auch mit anderen Teilen ihrer
Anatomie gespielt. Sie hat ungefähr fünf Kostümwechsel während
des Films, und es war sehr lustig, ihre Kleidung zu gestalten.”
"Am schwierigsten war es, Kusco zu entwerfen”, gibt Moshier
zu. "Wir haben an vier verschiedenen Designs gearbeitet,
bevor wir uns schließlich für das letzte entschieden. Die
Herausforderung, den Look dieser Figuren im Rahmen der visuellen
Philosophie des Films zu entwickeln, war eine gewaltige Aufgabe.
Wir hatten ständig neue effiziente Ideen. Besonders stolz bin ich
darauf, dass alle Figuren aussehen, als kämen sie aus der Hand
eines einzigen Designers – und darauf, dass sie sich dem Stil
des ganzen Films anpassen. Wenn man bedenkt, wie viele
verschiedene Menschen an jeder einzelnen Figur gearbeitet haben,
ist es erstaunlich, dass sie aussehen, als hätten alle die
gleiche Behandlung erfahren.”

Der Groove des Kaisers –
die Songs von Sting und David Hartley
Das Konzept von KINGDOM IN THE SUN sah einen ambitionierten
Song-Score vor, den Sting in Zusammenarbeit mit dem Musiker und
Komponisten David Hartley schreiben sollte. Sting beschäftigte
sich intensiv mit dem Projekt und komponierte bezaubernde Songs,
die die ursprüngliche Geschichte exzellent unterstützten. Als
das Skript umgeändert wurde, gab es für sechs jedoch keine
Verwendung mehr. Sting stellte sich der Herausforderung, für neue
Figuren zu schreiben, und schuf zwei Songs – ”Perfect World”
und "My Funny Friend and Me” –, die in EIN KÖNIGREICH
FÜR EIN LAMA zu hören sind.
"Als ich Sting zum ersten Mal anrief, um über die
Zusammenarbeit an diesem Projekt zu sprechen, hatten wir alle
einen völlig anderen Film im Kopf”, erinnert sich Thomas
Schumacher. "Auch die Songs, die EIN KÖNIGREICH FÜR EIN
LAMA jetzt untermalen, sind anders, aber sie sind sensationell.
Wir wollten, dass eine große, spaßige Nummer den Film eröffnet,
die die Macht von Kusco und die Art, wie er die Welt kontrolliert
zeigen sollte. Also schrieb Sting ‘Perfect World’, um den
Helden einzuführen und dem Publikum zu zeigen, wie abgedreht sein
Selbstbewusstsein ist. Das Stück ist sehr ironisch und wird von
dem persönlichen ‘Themensänger’ des Kaisers gesungen. Tom
Jones hat eine sehr stimmige Interpretation dieses Songs
aufgenommen, die den Ton des gesamten Films prägt.”
"Das zweite Stück, ‘My Funny Friend and Me’, beschreibt
die Beziehung zwischen Kusco und Patcha”, fährt Schumacher
fort. "Es erzählt von dem Bogen, den der Film schlägt. Die
Melodie taucht während des Films mehrmals auf und hat sich als
wunderbares musikalisches Thema für die Geschichte erwiesen. Es
war fantastisch, gemeinsam mit Sting an EIN KÖNIGREICH FÜR EIN
LAMA zu arbeiten. Er war sehr aufgeschlossen und an allem
interessiert, was mit dem Projekt zu tun hatte.”
"Disney-Filme gehören zu meinem Leben, seit ich SLEEPING
BEAUTY ("Dornröschen", 1959) und THE JUNGLE BOOK
("Das Dschungelbuch”, 1967) gesehen habe”, bekennt Sting.
"Ich war ziemlich aufgeregt, als man mich fragte, ob ich an
einem von Disneys Zeichentrickfilmen mitarbeiten wolle. Wenn man
gute Songs für Disney-Figuren schreibt, werden diese Stücke in
der Regel unsterblich und erfreuen Generationen von Zuschauern.
Jahrelang würden Kinder sie kennen und singen – diese Aufgabe
hat mich gereizt.”
"An diesem Projekt wollte ich unbedingt mit einem Partner
arbeiten”, ergänzt der Popstar. "Ich schrieb zur gleichen
Zeit an meinem Album und wollte die Arbeit an Film und Platte
nicht durcheinander bringen, während ich für Disney schrieb.
David Hartley ist ein wunderbarer Piano-spieler, mit dem ich schon
in der Vergangenheit gern zusammengearbeitet habe. Er ist sehr
komisch und hat immer gute Ideen. Und ich wollte nicht, dass sich
die Songs anhören wie typische Sting-Songs. Ich wollte, dass sie
zu den Figuren passen, und die Zusammenarbeit mit David hat mir
geholfen, genau das zu erreichen.”
"Ich bin seit meinem 17. Lebensjahr ein Fan von Sting”,
gibt Hartley zu Protokoll. "Knapp ein Jahr bevor all das hier
begann, besuchte ich eins seiner Konzerte in der Londoner Royal
Albert Hall und beneidete seinen Keyboarder Kenny Kirkland um
seinen Job. Nicht im Traum wäre mir damals eingefallen, dass wir
beide mal so eng zusammenarbeiten würden.”
Da er sich eher als Musiker sieht, amüsiert sich David Hartley
königlich darüber, dass er nun als Songwriter bekannt geworden
ist. "Meine letzten Songs habe ich geschrieben, als ich
ungefähr zehn Jahre alt war”, lacht er. "Und die ersten
Stücke, die ich professionell mit einer anderen Person gemeinsam
komponiere, schreibe ich mit Sting zusammen – ich kann es immer
noch nicht fassen.”
"Es war wie eine dreijährige Reise, und wir hatten unsere
Höhen und Tiefen”, erinnert sich Sting. "Ich habe sechs
Songs geschrieben, die nicht verwendet werden konnten, weil sich
der Film von einem Musical zu einer Komödie verwandelt hatte. Wir
haben
viele sehr gute Sachen umsonst gemacht, aber letztlich bin ich
sehr glücklich darüber, für diesen Film Songs komponiert zu
haben. ‘My Funny Friend and Me’ ist ein Stück, das irgendwie
meine Beziehung zu David beschreibt. Wir lieben uns, aber manchmal
war ich kurz davor, ihn zu erwürgen oder von einer Klippe zu
schubsen. Und ich bin sicher, dass es Momente gab, in denen er das
Gleiche über mich dachte. Aber alles in allem war es eine sehr
befriedigende Zusammenarbeit.” Und Randy Fullmer schließt:
"‘My Funny Friend and Me’ hat eine Magie, die nur Sting
ausdrücken kann, und man kann sich niemand anderen auf diesem
Planeten vorstellen, der diesen Song singen könnte. Er beschreibt
die Essenz von Kuscos und Patchas Beziehung und erinnert daran,
was die beiden zusammen durchmachen mussten. Am Anfang sind sie
wie Feuer und Wasser, aber am Ende sind sie Freunde. Es ist ein
sehr aufrichtiges Stück. Es war eine Freude, mit Sting zu
arbeiten, denn er ist jemand, der sich auf eine Aufgabe stürzt
und sehr methodisch an den Dingen arbeitet. Er genoss es, uns
seine Songs zu präsentieren, und legte sehr viel Wert auf unser
Feedback.”
Eine detaillierte Chronik der Arbeit von Sting an EIN KÖNIGREICH
FÜR EIN LAMA – sowohl an der ersten, dramatischeren
Musical-Version als auch an der endgültigen Fassung – wurde
übrigens von Stings Ehefrau, der Filmemacherin und Schauspielerin
Trudie Styler, gedreht. Ihr Film ist als abendfüllende
Dokumentation geplant und wird Ende 2001 fertiggestellt werden.

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